Home Chemie Physik Sonstiges Schulbilder mich Links

Putzaktion
Ausflug Xanten
Rally Stufe 6
Klassenfahrt 7b
SV-Fahrt 03
SV-Fahrt 04
LAN@school 3

Klassenfahrt 7B 2005 - Segeln auf dem Ijsselmmer 26.09.05 bis 30.09.05

Bericht der Klassenfahrt von Felix Elsenbruch:

erster Tag (26.09.05) - Die Manna

Am 26.09. morgens um 8 Uhr war es dann endlich so weit. Mit einer halbstündigen Verspätung begann die lang ersehnte Klassenfahrt mit dem Bus zum Hafen von Hoorn am Ijsselmeer. Kurzfristig bekam unsere Klasse Verstärkung von Sándor (Vater von Dominik), welcher uns beim Kochen unter die Arme greifen wollte.  Schon an dem ersten Rastplatz wurden völlig überteuert schon die ersten Geschenke für die daheim Gebliebenen gekauft (das werde ich wohl nie kapieren). Die Laune im Bus war gut, auch wenn die ersten schon von Heimweh geplagt wurden. In Hoorn angekommen staunten wir: Schiffe so weit das Auge reicht. Irgendwo in diesem Schiffemeer musste auch unser Schiff (die Manna) sein. Nachdem auch diese rund 600 m entfernt entdeckt wurde, mussten alle Koffer und die Lebensmittel dorthin geschleppt werden. Kurz darauf traf unserer Skipper Brahm ein.

An Bord großes Staunen. Die Manna ist so was wie der Mercedes unter den Plattbodenschiffen (extrem geräumig, jedenfalls für ein Plattbodenschiff).

Nach der von Brahm mit Scherzen durchsetzten Einweisung ging es dann um 16 Uhr endlich auf Segelfahrt mit Ziel Enkhuisen. Bei gutem Wind (Stärke 4) und leichtem Wellengang ging es schnell voran. Den ersten wurde durch das Geschaukel auch schon anders. Noch konnte ja keiner ahnen, dass die restlichen Tage fast durchgehend bei Windstärke 6 mit teilweise starkem Wellengang folgen würden - aber dazu später.

Spontan trafen wir die Entscheidung nicht in den Hafen einzulaufen, sondern in Küstennähe zu ankern. Gegen Abend war wegen der zunehmende Nachtkälte dann  Gruppenkuscheln auf Deck angesagt.

Die erste Nacht war laut, ... viel zu laut. Zuerst dröhnte bis 2 Uhr morgens der Lärm aus den Schülerkojen und dann frischte der Wind auf. Die Holzverkleidung des Schiffs knarrte auf Grund des stärker werdenden Wellengangs lautstark, an Schlaf ab 3 Uhr kein Gedanke mehr.

zweiter Tag (27.09.05) - Vom Winde verweht

Naja, eine Stunde Schlaf war besser als keine, auch wenn das Gesicht von Frau Navarro anders darüber dachte.

Eigentlich wollten wir bei Den Over gegen Mittag an Land einkaufen gehen und in der Nähe der alten Befestigungsanlagen Holz für ein Lagerfeuer zusammensuchen und dann weiter nach Terschelling segeln. Schon Vormittags fing es an zu regnen (soviel zum Lagerfeuer). Der Wind blies mit Stärke 6 (ich konnte mich noch so düster darin erinnern, den Eltern gesagt zu haben bei dieser Stärke im Hafen zu bleiben, wenigsten trugen alle Rettungswesten) und Stärke 8 mit Regen war angekündigt. Spontane Plan Änderung von Brahms: ohne Halt direkt Texel anlaufen, bevor der Sturm kommen würde. Auf halbem Weg schüttete es dann sinnflutartig bei mittlerweile Windstärke 7. Die Schüler mussten alle unter Deck und ich segelte mit Kai (der Maat) oben alleine weiter. Aus Erzählungen erfuhr ich später, dass unter Deck Gerüchte vom Orkan bis zum Sinken kursierten. Robin "starb" inmitten einer Mädchentraube liegend den Seemannstod in drei Akten. Ich kann im Nachhinein nur sagen: ich fand es einfach nur geil an Deck und Brahm hat die Manna auch schon bei Stärke 10 gesegelt!

Nach 30 Minuten hörte der Regen plötzlich auf. Hinter der Regenfront wehte statt des angesagten Sturms nur ein laues Lüftchen (Stärke 2). Die Anzahl der an Deck befindlichen und segelwilligen Schülern war an zwei Händen abzählbar. Gemütlich liefen wir im Hafen Qudeschild auf Texel ein. Kaum an Land lies sich der erwartete Sturm (Schüler, nicht der Wind) auf Pommes und den örtlichen Supermarkt beobachten. Zusammen mit Sándor kauften wir die Fleischvorräte des Ortes auf (6 kg Geflügel). Der Abend selber zog sich mit längeren Gesprächen zwischen Robin und uns und seiner Mutter hin. Elina, Songül und ein paar andere machten derweil den Hafen unsicher.

An Bord trat das Spiel "Halli Galli" seinen Siegeszug als Spiel der Fahrt an. wenn da nur diese Glocke nicht bei gewesen wäre!

Frau Navarro beschloss, dass sie in Ruhe schlafen wollte und schritt zur Tat. Teilweise einzeln wurden die Schüler gegen 22.30 ins Bett gebracht. Zu meiner Verwundern funktionierte es, ... jedenfalls bis 1 Uhr. Dann drückten die Blasen anscheinend zu stark und es setzte ein mehrstündiger Run aufs Klo ein. Diese lagen auf der Manna leider direkt neben der Lehrerkabine und deshalb ....

dritter Tag (28.09.05) - viele Unfälle auf Texel

Diesen Tag werde ich wahrscheinlich nie vergessen. Es sollte der anstrengenste Tag meines bisherigen Lehrerlebens werden. Es hörte sich eigentlich ganz einfach an: eine Fahrradtour (10 km auf einer wenig befahrenen Insel) ins Ecomare, danach spielen am Strand und wieder zurück zum Schiff. Die Fahrräder wurden schon früh morgens direkt zum Anleger geliefert, sollten aber erst unter unserer Aufsicht aus den Ständern genommen werden. Leider begann es nach dem Frühstück zu regnen. Frau Navarro und ich zogen uns Regenkleidung an und gingen vom Schiff. Etwa 15 Schüler fuhren lustig mit den Rädern umher, außerdem waren 5 komplett ohne Regenkleidung. Der Adrenalinpegel stieg zum ersten Mal. Kurz darauf dann Abfahrt, Frau Navarro am Ende der Schlange und ich vorne.
Schon nach 2 km Fahrt bei Tempo 15 und etwa 3-4 Unfällen ist die Schlange etwa 1000 m lang. Spontane Änderung des Plans: wir fuhren in 2 Gruppen und wollten häufig warten. In der Stadt Den Burg mussten wir über einen Zebrastreifen. Nun lässt sich ein Zebrastreifen schlecht für 3 Minuten sperren nur damit 20 Schüler ihn überqueren. Also sperrte ich ihn zwischendurch immer mal wieder kurz damit die Autos fahren konnten. Silvana und Nicole dachten sich: so ein anfahrender Lastwagen würde wohl schon noch bremsen ..., oder etwa nicht? Ein altes Sprichwort besagt: knapp verfehlt ist auch noch am Leben . Konsequenz: Straßen überqueren geht anscheinend nur mit 2 Lehren gleichzeitig. Darauf hin ließen sich die Schüler von der niederländischen Vorliebe für den Dominoday anstecken.

Besonders gut ging dies beim Anhalten vor Kreuzungen. Die sonstige Unfallquote blieb konstant bei etwa 2 pro Kilometer. Mein Umgangston wurde zunehmend gereizter, da auch einfache Sachen "wie keiner überholt" und "alle bleiben in einer Reihe" (hintereinander oder nebeneinander ?) so gar nicht klappen. Endlich am Ecomare angekommen, färbte die aus irgendeinem Grund noch bei Frau Navarro vorhandene gute Laune auf mich ab (warum auch nicht - im Museum ereigneten sich bestimmt 2 Stunden lang keine Fahrradunfälle mehr). Außerdem endlich mal ein positives Erlebnis: im Museum verhielt die Klasse sich vorbildlich! Von Cihan erfuhren wir auch etwas über die Funktion der Dünen: "Schutz vor Blutung". Nach dem Museum nölten erstmal einige rum: "Was zum Strand - wie langweilig!". Ohne Unfall 1 km bis zum Fahrradständer und diese abschließen (das sollte leider noch wichtig werden). Faszinierend, was der Anblick von Wellen bei den Schülern auslöste: raus aus den Schuhen und wie abgesprochen nur bis zu den Knien ins Meer. Der Wellengang war schon recht stark und so stand nach wenigen Minuten Kati vor uns und fragte: "Was soll ich denn jetzt machen?" (dabei lief ihr noch das Wasser aus den Haaren!). Der Plan am Strand Gemeinschaftsspiele zu veranstalten löste sich mit jedem patschnassen Schüler mehr zunehmend in Luft auf. Derweil fanden sich insgesamt 5 herrenlose Fahrradschlüssel im Sand (einer sogar im Wasser). 10 Minuten Toben im Wasser waren aus unserer Sicht ein guter Kompromiss zwischen Spaß und Gesundheit. Dann raus aus den nassen Klamotten und rein in die Regenbekleidung. Wie durch ein Wunder standen den 5 herrenlosen Schlüsseln auch nur 5 angeschlossene Fahrräder gegenüber. Es lockten die warmen Duschen an Bord der Manna.

Also schnell nach Hause, zumal wir nun Rückenwind hatten. Aber da lagen ja noch 10 km Fahrradweg zwischen uns und den Duschen. Es waren zwar etwas weniger Unfälle dafür aber die schlimmeren (jedenfalls vorne). Ich selber wurde von Michelle  abgeschossen (verbogener Lenker inklusive) und 2 Zusammenstöße mit entgegenkommenden Fahrradfahren. Hinten ereigneten sich die eher spaßigen Sachen: der nasse Pullover auf dem Gepäckträger von Sam geriet in die Kette, Halime erkundete wiederholt die Botanik und es wurde weiterhin Domino gespielt. Mir lief das Adrenalin mittlerweile aus den Ohren und dann endlich: Manna in Sicht! Vor dem Duschen erfolgte noch ernste Ansprache von mir bezüglich der Verkehrssicherheit. Allgemeine Unkonzentriertheit und Tamira gab wiederholt dumme Kommentare und ich sah kurzzeitig rot. Danach Totenstille und ich konnte endlich mal längere Zeit am Stück ohne Unterbrechung reden.

In der Lehrerkabine folgte ein kurzes Gespräch bezüglich der Angemessenheit meiner Explosion (ja es war übertrieben und ich würde in die gleiche Situation gebracht wieder so hochgehen). Wir wollten diesen Tag mit einem Besuch eines Spielplatzes in Form eines Piratenschiffen schön ausklingen lassen. Nach dem Abendessen wurde Linda schlecht, Elina wollte die Jungs ein paar Schiffe weiter verprügeln und zwei weitere weinten wegen Heimweh, dann plagten Elina auch die Bauchschmerzen (wann ist dieser Tag endlich zu Ende?). Derweil balgt sich Kai mit einer Schülermeute. Tamira trug blaue Flecke davon, aber da sie ja von Kai kamen ....

Robin schaffte es noch noch irgendwie auf dem Laufsteg zur Kaimauer auszurutschen. Resultat: Brett im Wasser und Schienenbein schmerzhaft geprellt und wieder Mädchentraube um ihn herum. Irgendwie komisch: bei ordnungsgemäßer Benutzung hatte der Steg bei mir nie gewackelt.

Frau Navarro blieb bei Linda und der Rest ging zum Spielschiff. Nach anfänglichem Genöle (ohne ging es anscheinend nicht) kam schöne Stimmung auf. Leider verletzte sich Julius gegen Ende beim Absturz vom Bug doch ernsthaft (wir dachten Bänderriss, im Krankenhaus dann doch nur Dehnung). Besonders hervorzuheben war: er hat als einziger "Kranker" nicht gejammert hat. Das "Halli Galli" wurde an diesem Abend zum "Strip Halli Galli" weiterentwickelt. Ob man diese nervtötende Glocke einem Schüler links und rechts um die Ohren hätte hauen dürfen?

Frau Navarro brachte wieder alle liebevoll ins Bett.

Gedanke der Nacht: "Ob man den Schülern das nächtliche Trinken verbieten kann?"

vierter Tag (29.09.05) - Rekord und Übelkeit

Bei Windstärke 6 direkt im Rücken und fast in Fahrtrichtung laufender Tide ging es Richtung der östlichen Schleuse zurück nach Enkhuisen. Brahm lieferte sich eine Wettfahrt mit einem anderen Schiff. Wegen des Seegangs waren mal wieder Schwimmwesten angesagt. Bei bestem Segelbedingungen und im Schmetterling geöffneten Segeln leerte sich das deck so langsam von Schülern bis nur noch die gewohnte Rumpfmannschaft von etwa 10 Schülern an Bord war. Unter Deck machte sich durch den Wind ein erbärmlicher Geruch breit. Wiederholte Aufforderungen auch wegen dem Geschaukel doch an Deck zu kommen fruchteten nicht. Dann füllte sich das Deck dank der Überzeugungskraft vereinzelter Mägen doch noch. Robin Ann beherrschte die Seemannregel nur mit dem Wind zu kotzen auch schon ganz gut. Robin, Ann Katrin und Elina litten stumm, Silvana und Katarina Michele dafür umso lauter und nasser. Katharina betätigte sich als gute Fee und verteilte Salzbrezeln und munterte die Leidenden jedenfalls teilweise auf. So langsam ging es dann auch allen besser. Am Ende der Wettfahrt fehlten von den 4 Kilometern Vorsprung leider noch 200 m zum Überholen, schnief.
Die Fahrt hinter der Schleuse verlief bei leicht nachlassendem Wind weitgehend unspektakulär. In Enkhuisen hopsten die meisten an Land. Später berechnete Brahm, dass wir den Geschwindigkeitsrekord der Manna in dieser Saison aufgestellt hatten - 9,7 Knoten! Nach Rücksprache mit den Eltern und Julius fiel die Entscheidung nicht ins Krankenhaus zu gehen. Um uns Lehrer nicht völlig beschäftigungslos dastehen zu lassen, kloppten sich Sam und Dominik. An diesem Abend gab es noch einen Rekord: Sándor tischte fürstlich auf: Kartoffelpüree mit Spinat und Rührei. Hört sich zwar gut aber eigentlich nicht außergewöhnlich an, aber ich versichere: der Geschmack war hervorragend. An Bord wird wieder, na was wohl, das Hau die Glockespiel gespielt. Sándor hatte ein Einsehen und beschlagnahmte sie kurzerhand (dafür könnte ich ihn heute noch knutschen).

Diesmal brachte ich die Schüler ins Bett. Lief irgendwie weniger gut. Till schien mir noch besonders wach zu sein, weswegen ich ihn mal kurz auf den Flur bat. 2 Minuten später stand er dann endlich da, komplett in Straßenkleidung angezogen. Während ich noch mit meiner Sprachlosigkeit rang, kriegte im Zimmer hinter mir Niklas (der die Szene durch die offene Tür beobachtet hatte) einen Lachkoller und ich direkt mit. Till interpretierte dies in seiner unnachahmlichen Art einfach wieder ins Bett zu gehen. Manchmal ist die Realität das beste Unterhaltungsprogramm.

 

fünfter Tag (30.09.05) - Heimreise

Schon am Morgen machte sich leichter Abschiedschmerz breit - sollte dies wirklich der letzte Tag sein? Die Segelfahrt selber verlief bei Windstärke 5 völlig unproblematisch. Fast alle halfen beim Segeln mit, die meisten wussten sofort was zu tun war, keiner zankte sich. Einfach himmlisch, wenn da nur diese Müdigkeit nicht gewesen wäre.

Die Putzaktion der Manna zog sich leider sehr in die Länge. Zum Teil lag es daran, dass wir die Arbeit zeitlich deutlich unterschätzt hatten, zum Teil aber auch an einer Handvoll Schüler, welche mehr Energie ins sich Verdrücken als in die Arbeit legten. (Herzlichen Glückwunsch Robin, dass du den "Kampf" Schlafsack in große Hülle nach 35 Minuten gewonnen hattest! Danke auch fürs Keksekrümeln in gerade gesäuberter Umgebung).

Sehr unsolidarisch wurden auch die 15 Minuten, in denen Sándor die saubere Küche mal kurz nicht bewachte ausgenutzt, um die verbliebenen Essenvorräte aller in den Mägen weniger verschwinden zu lassen, von der zugesauten Küche mal ganz zu schweigen.

Brahm und Kai hatten sich übrigens tierisch über die unterschriebenen Minirettungsringe gefreut. Bei der Verabschiedung flossen dann einige Tränen von unsterblich verliebten Schülerinnen.

Es folgte wegen Staus eine Odyssey über niederländische Autobahnen. Die von Frau Navarro gestartete Telefonkette schien im weiteren Verlauf nur schlecht zu funktionieren. Kurzer Kampf zwischen dem Pflichtgefühl sich irgendwie auch darum zu kümmern und der Müdigkeit. Der Busmotor brummt so schön gleichmäßig ..... Schnarch.

Resümee

Dies war von allen meinen Klassenfahrten die mit Abstand schönste, allerdings auch die nervlich anstrengendste. Die vielen, vielen positiven Eindrücke (Natur, Gemeinschaft, einzelne Schüler) verbergen sich leider ein wenig zwischen den Zeilen des Berichts. Anfangs meinte Brahm, die Klasse sei zu jung zum Segeln, am Ende war es auch einer seiner schönsten Fahrten. Aber auch er war platt durch die Flut an Fragen (sinnvolle und nicht sinnvolle) und unkanalisierter Energie von 12-jährigen.

Ich würde es wieder so machen und beim nächsten Mal den Bus auf Texel nehmen.

zurück zum Seitenanfang

letzte Änderung: 21.10.2005